Digitale Diskussion rund um (k)ein digitales Thema

9. Juli 2020

Am 9. Juli 2020 haben in einer digital ausgetragenen Diskussionsrunde Expertinnen aus den Bereichen digitale Medien, Kommunikation von Ernährungsthemen sowie ein Influencer und Experte für digitales Marketing sich darüber unterhalten, wie soziale Medien und InfluencerInnen das Ernährungs- und Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen beeinflusst. Moderiert wurde die digitale Diskussion von Werner Ranacher.

In engem Austausch mit einem Publikum aus den Bereichen Pädagogik, Gesundheit, Soziale Medien und Jugendarbeit wurde über die aktuelle Thematik gesprochen.

Dr. Laura Altendorfer hat ihre Dissertation zum Thema Influencer und Soziale Medien verfasst. Sie betont, dass Ernährung mittlerweile eines der Hauptthemen von InfluencerInnen ist. Auch wenn diese sich mit unterschiedlichen Haupt-Themen befassen, kommt doch immer wieder die Ernährung in deren Beiträgen vor.
Philipp Knefz, seines Zeichens Influencer, hat sich auch in seiner Masterarbeit mit Sozialen Medien und Marketing auseinander gesetzt. Er nimmt seine Verantwortung als Influencer ernst und appelliert auch an andere, professionell zu arbeiten.
Dr. Marlies Gruber ist als Geschäftsführerin des  forum.ernährung heute tätig. Die Kommunikation von Ernährungsthemen und von wissenschaftlichen Erkenntnissen steht dabei im Vordergrund. Für sie ist Medienkompetenz der Schlüssel für mehr Ernährungskompetenz.

Sie betont, dass während in den ersten 10 Lebensjahren die Vorbildfunktion was Ernährung angeht eindeutig bei den Eltern liegt, im Teenageralter vermehrt auch andere Vorbilder, beispielsweise InfluencerInnen, Einfluss auf das Essverhalten nehmen. Gleichzeitig spricht Dr. Altendorfer an, dass Kindern und Jugendlichen oft die Kompetenz fehlt, zu erkennen, dass es sich bei den Beiträgen in den sozialen Netzwerken um stark bearbeitete Bilder und Inhalte handelt. Philipp Knefz sieht deshalb auch InfluencerInnen in der Verantwortung professionell zu agieren. Bezüglich der Überprüfbarkeit von getätigten Aussagen stellt Dr. Altendorfer die Frage, ob letztendlich die InfluencerInnen allein für den Inhalt verantwortlich sind, oder die auftraggebenden Unternehmen.

Philipp Knefz spricht darüber, dass selten wirklich „Fakten“ in Beiträgen vorkommen und die seichte Kommunikation im Vordergrund steht. Optisch ansprechende, Genuss vermittelnde Beiträge seien häufig und die Information dazu, bleibt nebensächlich. Angesprochen auf die Frage, wie denn nun InfluencerInnen das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen beeinflussen, meint er, dass eher nicht die gesamte Ernährung beeinflusst wird, sondern einzelne Spitzen und Entscheidungen. Der Haupteinfluss bleibt laut Knefz immer noch das Umfeld.

Dr. Altendorfer hebt hervor, dass Meinungsführerschaft keineswegs ein Konzept ist, dass erst mit den sozialen Medien aufgekommen ist. Sie zieht den Vergleich mit Testimonials, allerdings hebt sie hervor, dass die Interaktion mit diesen erst durch die sozialen Medien in dieser Form ermöglicht wurde.

Einig sind sich Dr. Altendorfer und Dr. Gruber bezüglich, der Möglichkeiten, die sich durch das Nachahmen und Imitieren vom Ernährungsverhalten der InfluencerInnen des Vertrauen ergeben. Genauso wie in den ersten Lebensjahren die Eltern die Heranwachsenden beeinflussen, kommen später eben auch InfluencerInnen dazu. Eltern können hier Bereitschaft zeigen, deren Rezepte oder Ideen auch mit den Kindern auszuprobieren und so für Abwechslung im Ernährungsalltag sorgen. Generell beschreibt Dr. Altendorfer, dass InfluencerInnen durchaus Verhaltensänderungen bewirken können.

Abschließend wird hervorgehoben, dass die digitale und die „echte“ Welt heute nicht mehr voneinander trennbar sind. Kritisches Reflektieren kann eine Auseinandersetzung mit Beiträgen aus den sozialen Netzwerken fördern. Durch das Steigern der Medienkompetenz von Kindern wie auch Erwachsenen wird dies möglich. Gleichzeit muss aber auch die Ess-Kompetenz gesteigert werden, um positive Verhaltensänderungen sicherzustellen. Wenn es gelingt Themen wie Wissen über die Lebensmittel, vermehrt pflanzliche Ernährung oder Regionalität auch außerhalb von Instagram und Co. zum Thema zu machen, kann von einem Gewinn für alle Seiten gesprochen werden.

Stattgefunden hat die Diskussion im Rahmen des Projekts E.Ko K.I.S.S